12. April 2026
Die Recherche eines Freundes fand 23 Goldene/Platin-Schallplatten, die im Laufe der Jahre zu überreichen versäumt wurde. Die Awards werden nachgereicht.
Kein Album hat Reinhard Mey in seinem langen Künstlerleben mit dem Gedanken veröffentlicht, dass es dafür ein paar Monate oder einige Jahre später eine goldene Schallplatte geben könnte. Kein Lied hat er jemals mit diesem Vorsatz geschrieben. Die Vergabe von GOLD-Awards, wie man sie schon lange nennt, seit Schallplatten nicht mehr das Hauptmedium sind, auf dem Musik zu den Menschen gelangt, werden ja nicht ad libitum vergeben, sondern werden bei Überschreiten einer vom BVMI (Bundesverband der Musikindustrie) bestimmten sehr hohen Absatzzahl gewissermaßen fällig. Lange lag dieser Wert bei 250.000 Einheiten, die ihr Publikum für die heimische Musikanlage finden mussten. Eine Großstadt, in der jeder diese eine Platte gekauft haben musste, dann gab es Gold.
Obwohl Reinhard Mey niemals den Leuten mit Songs, die zu massentauglicher Dauerbeschallung geeignet wären, auf die Nerven gegangen ist und auch tunlichst vermied, mit jedem neuen Album der Nation einen neuen Ohrwurm zuzumuten, wurde er zum eignen Erstaunen bis ins letzte Jahr bereits mit 21 Gold-Awards geehrt. Ungewöhnlich für einen Künstler, der Geschichten erzählt und dem man zuhören muss und der nie eine Regel des erfolgreichen Musikverkaufs befolgt hat, der einfach nur sein Lied schreibt und es den Leuten singt. Und den es natürlich über alle Jahrzehnte bis heute immer wieder glücklich macht, dass seine zu Liedern gewordenen Geschichten so viele Menschen auf unterschiedliche Weise bewegen. Ob es dafür eine Goldene gibt, stand nie im Vordergrund. Wenn es eine gab, nahm er sie gern still und dankbar in Empfang.
In den letzten 25 Jahren gab es Gold für fast jedes neue Album, sie gingen hoch in die Charts, oft sogar auf Platz 1. Sein jüngstes Album NACH HAUS z.B. war das erste eines über 80jährigen an der Spitze der deutschen Album-Charts! Einige Goldene gab es auch in den Anfangsjahren seiner Karriere. Dass dazwischen eine Lücke von 25 Jahren klafft, hat ihn nie gekümmert. Warum auch? Sein Publikum war immer da und kam mit jeder neuen Generation wieder, auch jedes Album der späten 70er, der ganzen 80er und 90er Jahre fand viele Hörer, die Konzertsäle der Tourneen waren konstant alle zwei Jahre ausverkauft. Kein Gold, na und?!
Doch kann das stimmen? Wie einst Sherlock Holmes seine befreundeten Straßenjungens von der Themse durch ganz London schickte, um Informationen zusammenzutragen, stiftete ein Freund die Ermittlungen an. Reinhard Mey hat nie die Plattenfirma gewechselt, aber sein Label wurde zweimal übernommen, Archive verklappt, Daten nicht mehr beobachtet. Das Ergebnis der Ermittlungen übertrifft alle Erwartungen: ganze 23 weitere Gold-Awards sind zu vergeben; Platin ist auch dabei und einmal Triple-Gold. Nun sind es also 44 statt 21 goldene Schallplatten, die Reinhard Mey zählen kann.
Das Schönste daran ist, dass auch das überhaupt keinen Einfluss darauf hatte, wie Reinhard Mey an seinem 30. Studio-Album arbeitete, das im September erscheinen wird. Er schreibt sein Lied und wird es seinem Publikum singen, wie immer schon.
Christian Günther