Sommer

Wenn das Licht durch das raschelnde Blätterzelt
In leuchtenden Tupfern ins hohe Gras fällt
Tanzen im Spiel von Dunkel und von Helligkeit
Bilder einer lang vergangenen Zeit
Ich seh‘ Girlanden wehen,
Und Mädchen sich drehen,
Ich hör‘ das Akkordeon und sehe sie
Im Reigen sich wiegen,
Die Röcke, die fliegen
Zum Klang einer altmodischen Melodie.

Ein paar Gartenstühle, zigmal schon lackiert,
Ein wackliger Tisch, Wachstuch rot-weiß kariert,
Kleine grüne Äpfel am weißen Spalier
Und gläserne Krüge mit schäumendem Bier.
Die Männer spiel‘n Karten
Im schattigen Garten,
Das Taschentuch links, das Blatt rechts in der Hand.
Die Frau‘n lesen Beeren
Und füllen und leeren
Emailleschüsseln mit angeschlagenem Rand.

Wir Kinder war‘n baden am Feuerwehrteich,
Barfuß, halbnackt, und jetzt hol‘n sie uns gleich
Zum Waschtrog am Haus, wo die Bierkannen kühl‘n,
Uns eins nach dem anderen kalt abzuspül‘n.
Eng zusammenkauernd,
Noch immer erschauernd
Da hocken wir auf der verwitterten Bank,
Gänsehaut auf den Rippen
Und blauschwarze Lippen
Vom Baden und von den Brombeeren am Hang.

Und lauter und lauter das Stimmengewirr,
Das Lachen, das Singen, das Gläsergeklirr
Schon rußen die Lampen, der Tag eilt davon,
Und lauter und wilder das Akkordeon.
Glänzende Gesichter
Und flackernde Lichter,
Und noch einen Tanz und ein randvolles Glas,
Einander umfassen,
Sich mißreißen lassen
Erschöpft niedersinken in‘s taufeuchte Gras.

Jetzt werden die Kinder zu Bette gebracht,
Ein letztes sich Wehren und dann „Gute Nacht“.
Ich ahn‘ die Musik im Traum, fröhlich und laut,
Und den Duft von Sommer noch auf meiner Haut
Und seh‘ Girlanden wehen
Und Mädchen sich drehen...