Rundfunkwerbungsblues

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Viertel nach sechs, der Radiowecker reißt mich mit Werbung aus dem Traum.
Ich fühl‘ mich ungepflegt und garstig, ohne den soften Badeschaum!
Mein Goldfisch kriegt die falsche Nahrung, die saub‘re Wäsche starrt vor Schmutz,
Jawoll, ich bin ein Rabenvater, denn ich kauf‘ Windeln mit dem alten Nässeschutz!
Beschämt schleich‘ ich mich in die Dusche, weil ich die falsche Seife hab‘,
Und mein Shampoo wäscht meine Haare ganz ohne Spannkraft, naß und schlapp!
Mein Kinn ist nicht seidig-geschmeidig, mein Hemd ist weiß, aber nicht rein,
Denn meine Frau tauscht ihr Waschmittel gegen die doppelte Menge eines anderen Waschmittels ein!

Wie soll ich damit weiterleben, wie komm‘ ich über diesen Tag,
Wenn mich die Grauschleier umgeben
Und mein Chef meinen Kaffee nicht mag?
Kein ganzes Selbstbewußtsein ist zu Mus,
Oh Mann, ich hab‘ den Rundfunkwerbungsblues!

Tagsüber quälen mich die Zweifel: hab‘ ich schon Fältchen im Gesicht?
Ich könnte schwör‘n, ich hab‘ auch Schuppen, nur ich, ich weiß es nur noch nicht!
Werd‘ ich beim Knotentest versagen, wie magenfreundlich wirke ich?
Ich spür‘s, ich krieg die Trockenstarre, und obendrein läßt mich mein Deo jetzt im Stich!
Dann abends, ich sitz‘ auf dem Sofa und warte auf den „Großen Preis“.
Die Werbung läuft, und jemand sagt mir: „Ihr Hemd ist rein, aber nicht weiß!“
Ein andrer säubert sein Gebiß und steckt es strahlend in den Mund,
Ich armer Hund hab‘ eigne Zähne, und die sind leider noch vollständig und ich fürchte auch fast alle noch gesund!
Wie soll ich damit weiterleben, wie komm‘ ich über diesen Tag,
Ohne nach frischwärts abzuheben und
Ohne Haarausfall und Zahnbelag?
Ich bin ein fieser Kerl von Kopf bis Fuß!
Oh Mann, ich hab‘ den Rundfunkwerbungsblues!

Das Quiz beginnt, da kommt der Champion: Oh, der weiß alles ganz genau!
Aber sein Hemd ist nicht aprilfrisch, und auch sein Weiß ist eher grau,
Sein Haar ist wuschig, stumpf und strähnig, und auf der Stirn steht ihm der Schweiß,
Und sicher riecht er wie ein Iltis, aber fantastisch, was der Bursche alles weiß!
Der Kerl, der nimmt mir die Komplexe, warum hatt‘ ich die eigentlich?
Ab heut‘ ist Schluß mit dem Theater, ab heut‘ riech‘ ich nur noch wie ich!
Und ich seh‘ aus, wie ich halt ausseh‘ und schwitz‘, wenn‘s sein soll wie ein Tier!
Und kauf‘ den Kaffee ohne Gütesiegel und den Pudding ohne Farbstoff und das schrubblige Toilettenpapier!

Ja, damit kann ich weiterleben, so komm‘ ich über jeden Tag,
Und wer mich mag, der mag mich eben,
Auch wenn ich nicht die neue Slipeinlage trag‘!
Und ist mein weißer Kragen schwarz wie Ruß,
Ich bin ihn endlich los, den Rundfunkwerbungsblues!