Lied zur Nacht

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Rück‘ deinen Sessel zu mir her,
Zieh‘ den Vorhang zu.
Heute nacht kommen sie nicht mehr,
Heute ist noch Ruh.
Das Telefon ist abgestellt.
Alle Türen versperrt.
Wir sind alleine auf der Welt,
Bis der Morgen wiederkehrt.
Aus dem Fenster unterm Dach
Sieht man bis zur Front;
Mündungsfeuer flackern schwach
Hinterm Horizont.

Abendwind streicht durch‘s Geäst,
Durch den Waldessaum.
Die Bluthunde schlafen fest,
Scharren im Traum.
Hörst du, wie die Stille tönt –
Rings um uns her?
Wenn dein Ohr sich daran gewöhnt,
Erschreckt sie dich nicht mehr.
Ist denn Frieden oder Krieg
Auf diesem Meridian?
Nein, in diesem Augenblick
Denk‘ ich nicht daran.

Ob unser Weg hier enden soll?
Ob wir den Morgen sehn?
Gieß‘ unsere Gläser noch einmal voll!
Und dann laß uns gehn ...
Rück dein Kopfkissen zu mir her,
Vergiß die Angst,
Ich zähl dir Schäfchen, tausend mehr,
Bis du schlafen kannst!