Ich frag' mich seit 'ner Weile schon ...

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Den Kopf zurückgeneigt, um fragend zu mir hochzusehen,
Die kleine warme Hand in meiner, gehst du neben mir.
Das heißt, eigentlich mußt du schon eher laufen als gehen,
Auf einen meiner Schritte kommen drei Schritte von dir.
Und atemlos erzählst du von all den Begebenheiten,
Gedanken und Geschichten, die dir grad‘ im Kopf rumgeh‘n,
Übersiehst dabei nichts am Weg und zeigst mir Winzigkeiten,
Die hab‘ ich schon seit einer Ewigkeit nicht mehr geseh‘n.

Ich frag‘ mich seit ‘ner Weile schon:
Wer gibt hier wem eine Lektion,
Wer gibt hier wem im Leben Unterricht.
Ich glaubte ja bisher,
Daß ich derjen‘ge welcher wär‘,
Nun seh‘ ich mehr und mehr,
Ich bin es nicht.

Ich hab‘ längst aufgehört, um meine Aussteuer zu zittern,
Dich hält nun mal nichts auf, kein Drohen und kein guter Rat,
Heut‘ fehlt mir etwas, höre ich nichts donnern, klirr‘n und splittern,
Und ein Tag ohne Trümmer scheint mir langweilig und fad.
Und abends lieb‘ ich es, auf deinen Murmeln auszugleiten,
Die Prellungen und dein Gelächter nehm‘ ich gern in Kauf,
Ich brauch dein Durcheinander, denn eins ist nicht zu bestreiten:
In deinem Chaos fällt meine Unordnung nicht mehr auf.

Die Zimmertür fliegt auf, und jubelnd kommst du reingeschossen,
Eine Art Kugelblitz und Turbulenz säumt deine Bahn.
Es ist, als hättest du da grad‘ eine Tür aufgeschlossen,
Durch die ich in eine sorglosere Welt sehen kann.
Ich steh‘ von meiner Arbeit auf, grad‘ hatt‘ ich angefangen,
Und denk‘, während du mich „Bitte, stör‘ mich nicht“ sagen hörst:
Noch nie ist mir die Arbeit so gut von der Hand gegangen,
Nie hab‘ ich sie so gern getan, wie seitdem du mich dabei störst.

Ich glaube, so ist sie
Am Nachmittag stellt sie mir oft eine Tasse Kaffee neben meine Schreibmaschine,
Schwarz mit einem Löffel Zucker, und ich trinke und sie fragt mich, was ich schreib‘.
Und ich murmele eine Antwort, und sie nimmt sich einen Stapel alter Magazine,
Setzt sich und fängt an zu suchen, was an Kreuzworträtseln noch zu lösen bleibt.
Fünfzehn senkrecht: Einen Nebenfluß der Wolga: Keine Ahnung, wie der heißen sollte!
Ich schreib‘ weiter, grade so, als ob die Frage nicht an mich gerichtet war.
Und sie sagt, daß sie mich mit dem Rätsel bei der Arbeit ganz bestimmt nicht stören wollte.
Ich verschreib‘ mich, sie steht auf und lacht und streicht mit beiden Händen durch mein Haar.
Ich glaube, so ist sie, ja, ich glaub‘ schon. Aber ganz sicher bin ich meiner Sache nie.

Manchmal ärgert sie die Unordnung, dann räumt sie von der einen auf die andre Seite
Das, was sich auf meinem Schreibtisch an Papieren langsam angesammelt hat,
Dabei findet sie ein Buch und liest sich fest und spricht kein Wort bis an die letzte Seite.
Stör‘ ich sie, faucht sie wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten hat.
Sie weiß stets, wo alles liegt, hat meine Schlüssel, mein Notizbuch, meine Zigaretten
Und ihr Lieblingsspiel ist, so zu tun, als ob ich meine Brieftasche verlor,
Und dann lacht sie triumphierend und zieht sie aus ihrem Mantel, und ich könnte wetten,
Wenn ich jetzt Radieschen essen wollte, zög‘ sie draus ein Briefchen Salz hervor.
Ich glaube, so ist sie, ja ich glaub‘ schon, aber ganz sicher bin ich meiner Sache nie.
Sie tut, was sie will, wenn sie es will, und ihre Argumente siegen schließlich immer;
Sie fährt Auto wie ein Gängster, nur zum Parken diene ich ihr als Chauffeur.
Und sie singt und lacht, ist niemals pünktlich, und an jedem Morgen schwimmt das Badezimmer
Und sie sagt, ich sei ihr Märchenprinz, doch langsam müßte ich ‘mal zum Friseur.
Am Nachmittag stellt sie mir oft eine Tasse Kaffee neben meine Schreibmaschine,
Schwarz mit einem Löffel Zucker, und ich trinke, und sie fragt mich, was ich schreib‘
Und ich murmele eine Antwort, und sie nimmt einen Stapel alter Magazine,
Setzt sich und fängt an zu suchen, was an Kreuzworträtseln noch zu lösen bleibt.
Ich glaube, so ist sie, ja ich glaub‘ schon, aber ganz sicher bin ich meiner Sache nie.