Freundliche Gesichter

Mit sechzig auf der Kriechspur, die Lastwagen im Genick,
Als Zeit und Wege keine Rolle spielten,
Ein altes Auto, das nur noch mein Glaube und ein Trick,
Die Liebe und der Rost zusammenhielten.
So hab‘ ich manchen Tag auf mancher Straße zugebracht,
Unendlich reich an Hoffnungen und Träumen.
Im Rücksitz die Gitarre war meine einz‘ge Fracht,
Meine einz‘ge Angst war, etwas zu versäumen.

Da waren freundliche Gesichter, und es war gut, ein Lächeln zu seh‘n!
Wie Freunde, wie Komplizen waren wir.
Ich hatte meinen Weg gefunden, sie gaben mir Mut, ihn zu geh‘n,
Und mir und meinen Liedern ein Quartier,
Als keiner an mich glaubte, außer ihnen und mir.

Der Beifall abends gab mir Kraft, am Morgen loszugeh‘n,
Zu neuen Studios, neuen Plattenbossen,
Er half mir, in den Vorzimmern auch dann noch stolz zu steh‘n,
Wenn alle Türen sich vor mir verschlossen.
Er ließ mich die Enttäuschung, das Vertrösten jedesmal,
Die Sprüche und die Ausflüchte verwinden:
Ich würd‘ abends einen winz‘gen, aber vollen Saal,
Offene Ohr‘n und ein Zuhause finden.

Und da war‘n freundliche Gesichter...

Nun, heute weht ein sanfter Wind mir wärmer ins Gesicht,
Und vieles hat sich mit dem Blatt gewendet.
Aber Flitter und Glitzerkram trüben den Blick mir nicht,
Die Scheinwerfer haben mich nicht geblendet.
Es tut nur gut, nicht länger im kalten Regen zu steh‘n,
Ich bin dankbar dafür, doch unterdessen,
Hab‘ ich es nicht verlernt, durch all das Licht hindurchzuseh‘n,
Ich hab‘ Euch keinen Augenblick vergessen!

All die freundlichen Gesichter...