Im Freundeskreis - Artikel im Fachmagazin Beat

Reinhard Mey ist ein Phänomen in der deutschen Musiklandschaft. Seit über 40 Jahren erreichen seine Alben Spitzenpositionen in den deutschen Verkaufscharts, seit ebenso langer Zeit füllt er quasi spielend die großen deutschen Konzerthallen. Drei Jahre Zeit hat er sich genommen, seit er für den Vorgänger des aktuellen Werkes „Bunter Hund“ das Studio betrat: „Nanga Parbat“ zeigte, dass Mey nach all den Jahren und nunmehr über 60 Lenze zählend durchaus noch in der Lage ist, seine Musik neu zu erfinden. Das damalige Titelstück zum Beispiel tauchte seine so ganz eigene, immer zwischen rauchig und sanft balancierende Stimme gar in synthetische Klangwände, die mindestens ebenso beeindruckten wie die Majestät des besungenen 8000ers.

Das neue Album führt Mey hingegen zurück zu seinen Wurzeln: Der Liedermacher und Gitarrist schaffte es, zahlreiche weitere europäische Saitenvirtuosen, wie zum Beispiel den dänischen „Godfather of Pedal Steel“ Nils Tuxen, der schon mit Depeche Mode im Studio stand, mit dem Ziel um sich zu scharen, das von den Fans lang ersehnte Gitarren-Album aufzunehmen. „Eigentlich stand gar keine große Absicht dahinter“, bekennt Reinhard Mey, der trotz einer dicken Erkältung bestens gelaunt und mit einem geradezu überbordenden Leben in Augen und Stimme von dem aktuellen Projekt erzählt: „Schon beim Spielen zu Hause erwiesen sich die Stücke aber als absolut Gitarren-tauglich“, erinnert er sich. Dies ist auch für einen Musiker, den man quasi nur solo mit seiner Akustikgitarre kennt, nicht selbstverständlich: „Wenn ich mir manchmal einige neue Lieder anhöre, frage ich mich, wie ich diese später einmal auf der Bühne umsetzen soll.“ Doch beim „Bunten Hund“ war diese Hürde nicht zu nehmen: „Ich habe sofort an einige Gitarristen aus Manfreds und meiner Bekanntschaft gedacht, und dass es klasse wäre, wenn sie zu den neuen Stücken spielen könnten“, resümiert Mey. Als die ersten Arrangements eingespielt waren, war der weitere Weg dann schnell vorgezeichnet: „Es hatte sich bereits eine „Klangfarbe“ entwickelt, von der wir gar nicht mehr weg wollten“, zeigt sich Mey sehr zufrieden mit den Ergebnissen.

Ein Dreamteam
Keines der neuen Stücke ist dabei aber direkt im Studio entstanden, viele waren sogar schon Ende des letzten Jahres fertig komponiert. Reinhard Mey selbst nimmt seine Demos am heimischen 12-Zoll-PowerBook mit Mbox und Pro Tools auf und schickt diese Zweispur-Arrangements als MP3-Datei per Mail an Manfred Leuchter – wobei das eigene Arbeitsumfeld noch kleiner bemessen ist als das Homestudio im Aachener Ostviertel nahe dem Bahnhof „Rothe Erde“, in dem die Musiker aufnehmen: „Größe kommt entweder von Innen, oder sie kommt gar nicht“, bricht der alte Hase Mey eine Lanze für alle heutigen Desktop-Produzenten.
So viel selbstverständlicher Umgang mit der Technik verwundert fast ein wenig bei einem Mann, der schon ein Lied schrieb mit dem Titel „Ein Stück Musik von Hand gemacht“: „Wenn es saugut klingt, habe ich eigentlich gar nichts dagegen“, spricht sich Mey für sinnvolle Technik im Studio aus. „Gerade in der Zusammenarbeit mit Manfred habe ich da keinerlei Zweifel, denn nur er kommt so gut hinter meine Eskapaden und Tricks, dass er mir zum Beispiel einen Sample-Bass so genau zu einem solo und frei im Rhythmus eingespielten Stück setzen kann, dass es richtig klingt. Mit einem leibhaftigen Musiker kann dies sehr lange dauern“, schwärmt der Liedermacher.

Tipps für die Gitarrenaufnahme
Trotzdem verläuft sich das Team nie in Technikspielereien nur um der Technik willen. Gerade bei der Aufnahme der zahlreichen Gitarren schwört Manfred Leuchter, der im Studio noch von dem jungen Tonmeister Alex Jacobi unterstützt wird, auf ein möglichst simples analoges Outboard. Seine Tipps für junge Gitarristen klingen daher auch recht einfach, aber effektiv: „Kaufe dir das beste Mikrofon, das du dir leisten kannst, denn bei der Gitarrenaufnahme kommt es immer auf eine gute Mikrofonie an“, rät er. Er selbst verwendet Mikrofone von Brauner (VM1) und Neumann (U87), auch auf die richtige Platzierung legt er größten Wert: „Es kommt schon auf den Millimeter an. Dadurch kommt eine Breite zustande, die du an den Reglern nicht erzeugen kannst.“ Bei den Aufnahmen der akustischen Gitarre Meys zeigt das Brauner-Mikro mit einer Entfernung von zehn bis 30 cm vom zwölten Bund auf das Schallloch. Das U87 zeigt im 45-Grad-Winkel in derselben Entfernung auf die Brücke.
„Wir geben uns bei der Aufnahme einfach schon eine riesige Mühe, sodass man im Nachhinein gar nicht mehr so viel tun muss“, erklärt Leuchter das sehr übersichtliche Equipment, das beim aktuellen Projekt zum Einsatz kommt. „Wenn es um die Abbildung einer Gitarre geht, ist das Allerwichtigste, dass die Gitarre und der Gitarrist gut sind“, fährt er fort. „Wenn dies gegeben ist, kannst du sogar ein relativ billiges Mikrofon davor stellen und immer noch etwas herausholen.“ Die Kette zu einer guten Aufnahme ist nach Leuchters Philosophie also kurz: „Gute Mikros, gute Preamps, natürlich gute Wandler – und du bist fast schon da, wo du hin willst.“