FAQ zu Bunter Hund

Zwölf der häufigsten Fragen zum neuen Album

Sie arbeiten gerade an ihrem 24. Studioalbum, fällt Ihnen nach all den Jahren überhaupt noch etwas ein?

RM: Wenn man wach ist, wenn man hört und sieht, wenn man lebt, geht einem der Stoff, aus dem die Lieder und Geschichten sind, nie aus. Und die wirklich großen Themen bleiben immer gleich: Liebe, Schnaps und Tod - wie mein Freund Hannes Wader es mal in einem Album zusammenfasste. Dazu die weltbewegenden Dinge, Krieg und Frieden und die Tücken des Alltags. Die Sicht darauf ändert sich mit jedem Tag Leben und so ist es immer wieder spannend, die wohlvertrauten Dinge neu zu entdecken, aus einem anderen Blickwinkel neu zu sehen und zu beschreiben.

Welche Themen behandeln Sie in den neuen Liedern?

RM: Na, Liebe, Schnaps und Tod! Das ganze Universum, Freundschaft, Kindheit, Alltag, Schmerz und Glück, kritische Betrachtungen, Verzweiflung und Dankbarkeit.

Warum heißt die CD "Bunter Hund"?

RM: Meiner Frau gefällt es, mich manchmal Bunter Hund zu nennen, weil ich meine Nase überall reinstecke, wie sie sagt, ich überall in der Gegend herumgestreunt bin und man mich an jeder Straßenecke kennt ... Das ist meine Autobiographie und ich finde, das ist ein guter Name für ein sehr persönliches, autobiografisches Album. Und so bunt wie der Hund sind auch die Themen darauf.

13 Lieder wie immer?

RM: Natürlich, „treize à la douzaine“! Wenn Sie in Frankreich auf dem Markt ein Dutzend, Eier, Artischocken oder Porreestengel kaufen, wird Ihnen jede redliche Marktfrau 13 für ein Dutzend geben. Und ich bin ein redlicher Liedermacher.

Verraten Sie uns die Titel?

RM:Lieber nicht. Ich behalte so was gern bis zum Schluß für mich, obwohl die Titel nur ganz wenig oder gar nichts über den Inhalt verraten. Ein paar ganz gewitzte Chansonfreunde haben sie allerdings schon über die Urheberrechtanmeldungen herausgekriegt – Hut ab! Als ich meine Titelliste im Netz wiederfand, schwankte der Boden unter meinen Füßen und ich dachte, jetzt hat der BND deinen Rechner geknackt! Ich finde das trotzdem irgendwie so, wie wenn man als Kind vor seinem Geburtstag in den Schränken der Eltern schnüffelt, um die Verpackung der Geschenke schon vorher zu sehen, man bringt sich doch um eine kleine Überraschung und Vorfreude. Ich habe auch als Kind die Fenster im Adventskalender nie vor der Zeit aufgemacht, der 24. ist diesmal am 4. Mai! Ich habe aber auch das allergrößte Verständnis für alle, die's nicht abwarten können;-) Geht mir ja selber so, nachdem ich mehr als ein Jahr über ihn geschrieben, gesungen und gespielt habe, möchte ich den Bunten Hund lieber heute als morgen von der Leine lassen! Ich habe meine Freunde bei der EMI auch überreden können, ein paar Hörproben ins Netz zu stellen, also wenn das Album angepresst ist, ich schätze Anfang nächster Woche, gibt's auf dieser Seite schon was zu hören.

Will man deutsche Liedermacher überhaupt noch hören?

RM: Man will, aber man hat in unseren Medien kaum eine Chance.
Unsere Rundfunk- und Fernsehsender müllen uns mit anglo-amerikanischen Schlagern oder mit Volksmusik zu. Eine anspruchsvollere deutsche Musik findet dort gar nicht statt. Bei manchen öffentlich-rechtlichen Sendern, die ja eigentlich einen Kulturauftrag haben, sind Liedermacher mit einem regelrechten Berufsverbot belegt. Aber da unterschätzt man das Publikum sträflich, es hat eine große Liebe für seine Liedermacher, vielleicht weil es so stiefmütterlich behandelt und unterfordert wird. Ich sehe das nicht nur am Zustrom und der Begeisterung der Menschen in den Konzerten meiner Freunde und Kollegen. Mein letztes Album war „Top-Ten“ und hatte Goldstatus und die 60 Konzerte meiner 2005er Tournee waren alle schon lange vor Tourneebeginn bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Sie haben sich für die Deutschquote eingesetzt. Hat sich irgendwas geändert?

RM:Nein, es ist alles nur noch viel schlimmer geworden. Mein Heimatsender der RBB spielt im Tagesprogramm seines Berlin-Radios so gut wie gar nichts Deutsches mehr, nur noch steinalte englische Schlager, es ist zum Verzweifeln. Keinen Hoffmann, keinen Wader, keinen Biermann, keinen Gundermann, aber auch keinen von den jungen, wirklich angesagten deutschsprachigen Sängern. Im Fernsehen dasselbe Trauerspiel: Einerseits Volksmusiksendungen bis zu Erbrechen und Demenz, andrerseits muß auch beim lausigsten deutschen Fernsehfilm die Anfangs- und Abspannmusik englisch gesungen sein. Oder nehmen wir als peinlichstes Beispiel den Bayrischen Filmpreis: Da singen Katie Melua, Josh Groban und Randy Crawford, kein Haindling , kein Wecker, kein Biermösl Blosn. Ein Wunder, daß der geniale Christoph Süß in unserer Sprache moderieren durfte – offensichtlich haben sie David Letterman nicht kriegen können.

Gibt es überhaupt noch Sendungen - Rundfunk, Fernsehen - für Künstler wie Sie?

RM: Bei den meisten Musiksendungen hierzulande möchte man doch lieber im Boden versinken, als da vor der Kamera zu stehen. Anspruchsvollere Formate, für die man sich nicht schämen muß, kann man mit dem Mikroskop suchen. Manchmal gibt es so etwas und einen mutigen Redakteur, der das Wagnis eingeht, ein Lied, das jeder hierzulande verstehen kann und das vielleicht sogar unbequem sein könnte, in seine Sendung zu nehmen. Bei Götz Alsmanns „Großer Nachtmusik“ (ZDF) zum Beispiel oder den „Songs an einem Sommerabend“ (BR) können sie einem begegnen - das Publikums-Echo belohnt sie dann reich für ihre Risikobereitschaft. Und dann sind da noch Gott sei Dank die späten Talk-Shows bei den Öffentlich-Rechtlichen, die ein waches, interessiertes Publikum haben.

Was raten Sie jungen Leuten, die auch Lieder machen und singen wollen?

RM: Tut was Euer Herz und Euer Verstand Euch sagt, laßt Euch von allen Widrigkeiten nicht entmutigen und gebt keinen verdammten Cent auf das, was die Leute oder ich Euch raten!

Sie werden in diesem Jahr 65, Zeit, in Rente zu gehen? (Oder warten bis 67;-)

RM: In der Klausur mit dem Bunten Hund habe ich einmal mehr gespürt, welche Kraft im Schreiben steckt, wie viel Freude im Komponieren und wie viel Themen noch unangesprochen vor mir liegen – die werde ich nicht „abarbeiten“ können bis ich 100 bin, also nix mit in Rente gehen! Und jetzt kommt die Zeit im Studio, auf die ich mich schon lange wie jeck freue und dann eines Tages im nächsten Jahr die nächste Tournee mit dem Geschenk, auf der Bühne stehen zu dürfen und vor leibhaftigen Menschen zu singen. Dieser Beruf ist mein Lebenstraum, den laß ich doch nicht aus den Händen, solange wie ich die Kraft habe und die Menschen mir zuhören wollen!

Sie beschäftigen sich als Liedermacher neben der Musik natürlich hauptsächlich mit der Sprache. Was sagen Sie zu den vielen Anglizismen, die sich nach und nach in unsere Sprache einschleichen?

RM: Bullshit!

Wie halten Sie es eigentlich mit dem Internet?

RM: Wie jede Erfindung der Menschen ein Segen in den Händen der einen, ein Fluch in denen der anderen. Eine fabelhafte Möglichkeit mit Menschen überall auf der Welt zu kommunizieren, sich schlau zu machen, Informationen aus erster Hand zu bekommen und zu geben. Aber leider auch, um seine Zeit zu verplempern, Schwachsinn zu sehen und zu verblöden. Ich bemühe mich, wie Sie an dieser Stelle sehen, es zu erstem zu nutzen.